Stille Entzündungen – wenn der Körper im Verborgenen brennt
Warum chronische Entzündungen oft unbemerkt bleiben und trotzdem alles verändern
Ständige Müdigkeit, diffuse Schmerzen, Konzentrationsprobleme oder Verdauungsbeschwerden, viele Menschen kennen solche Symptome. Häufig werden sie als stressbedingt, psychosomatisch oder altersentsprechend abgetan. Doch in Wahrheit steckt nicht selten etwas Tieferes dahinter: eine stille Entzündung.
Was sind stille Entzündungen?
Im Gegensatz zur klassischen Entzündung mit Rötung, Schmerz, Schwellung und Fieber verlaufen stille Entzündungen unauffällig. Sie entwickeln sich schleichend, bleiben lange unbemerkt und genau darin liegt ihre Gefahr. Denn sie stören zentrale Prozesse im Körper: Zellregeneration, Stoffwechsel, Hormonbalance, Immunantwort.
Medizinisch spricht man von „low-grade inflammation“, also einer unterschwelligen, systemischen Entzündungsreaktion, die dauerhaft aktiv bleibt. Auslöser sind oft Faktoren wie Dauerstress, Umweltgifte, unerkannte Infektionen, Nahrungsmittelunverträglichkeiten oder ein Ungleichgewicht im Mikrobiom.
Ein schwelendes Feuer im Hintergrund
Stille Entzündungen sind wie ein langsam brennendes Feuer. Man sieht die Flammen nicht – aber sie hinterlassen Spuren.
Im Körper zeigen sich diese Prozesse häufig in Form von:
- Chronischer Erschöpfung (Fatigue)
- Wiederkehrenden Infekten oder Infektanfälligkeit
- Diffusen Gelenk- oder Muskelschmerzen
- Stimmungsschwankungen, Schlafstörungen
- Hautproblemen wie Akne, Rosazea oder Ekzemen
- Verdauungsbeschwerden trotz unauffälliger Befunde
- Gewichtszunahme trotz gesunder Ernährung
Auch bei vielen chronischen Erkrankungen spielen stille Entzündungen eine Schlüsselrolle. Sie gelten inzwischen als mitverantwortlich für die Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Alzheimer, Depressionen, Autoimmunprozessen und sogar Tumorwachstum.
Warum klassische Blutwerte oft nicht weiterhelfen
CRP normal, kein Fieber, keine auffälligen Entzündungszeichen? Das bedeutet nicht, dass der Körper im Gleichgewicht ist. Stille Entzündungen sind im klassischen Blutbild oft nicht sichtbar. Sie erfordern eine differenzierte, funktionelle Diagnostik.
Oft sind es gezielte Laborparameter, die Hinweise auf unterschwellige Entzündungen geben können. Dazu zählen unter anderem:
- hsCRP (high sensitivity C-reaktives Protein)
- TNF-alpha, Interleukin-6, MCP-1
- Oxidativer Stressmarker
- Zonulin (für die Darmbarriere)
- Mitochondrien-Funktionstests
Diese Werte zeigen häufig Belastungen, lange bevor sich manifeste Erkrankungen entwickeln und ermöglichen eine gezielte, frühzeitige Behandlung.
Der Darm als Schaltzentrale der Entzündung
Ein häufig übersehener Entzündungsherd liegt im Darm. Ein gestörtes Mikrobiom, eine durchlässige Darmschleimhaut („Leaky Gut“) oder unerkannte Unverträglichkeiten können systemische Entzündungsprozesse anstoßen. Auch Zahnherde, stille Infektionen, chronischer Stress oder Schwermetallbelastungen können als „Silent Driver“ wirken.
Therapie beginnt mit Verstehen
Stille Entzündungen sind kein Schicksal, sie sind ein Signal. In der Ursachenmedizin geht es darum, genau hinzuhören. Der Körper meldet sich. Die Frage ist: Verstehen wir ihn?
Daher ist eine ausführliche Anamnese und funktionelle Diagnostik so wichtig. Auf dieser Basis kann ein Behandlungsplan entwickelt werden. Typische Bausteine können sein:
- Antientzündliche Ernährung (z. B. mediterrane oder entzündungsarme Kostformen)
- Gezielte Infusionstherapien (z. B. mit Vitamin C, Alpha-Liponsäure oder Glutathion)
- Stärkung der Zellkraftwerke (Mitochondrien) durch Mikronährstoffe
- Darmsanierung und Aufbau des Mikrobioms
- Craniosacrale Therapie zur Stressreduktion
- Bewegung, Schlafhygiene und emotionale Balance
Wenn der Körper sich selbst im Weg steht
Chronische Entzündungen sabotieren die Selbstheilungskräfte. Sie führen dazu, dass Regeneration kaum noch möglich ist. Das gilt für Gewebe, aber auch für mentale Klarheit und emotionale Stabilität. Viele Menschen berichten, dass sich ihr Zustand mit der Reduktion stiller Entzündungen grundlegend verbessert.
Manchmal beginnt Veränderung nicht mit einem Medikament, sondern mit einem Verständnis:
„Mein Körper kämpft – aber nicht gegen mich, sondern für mich.“
Stille Entzündungen sichtbar machen – und ihnen die Kraft nehmen
Wenn man weiß, woher die Belastung kommt, kann man gezielt gegensteuern. Das Ziel ist kein kurzfristiger Effekt, sondern ein tiefgreifender Wandel in Richtung Selbstregulation, Zellgesundheit und Resilienz.
Mit der richtigen Diagnostik, individuell abgestimmter Therapie und einem Blick für das Ganze können stille Entzündungen erkannt und in ihrer Wirkung gemildert werden.
Fazit: Entzündung ist nicht immer sichtbar – aber spürbar
Wer chronische Beschwerden hat, die sich nicht erklären lassen, sollte die stille Entzündung im Blick behalten. Sie ist nicht laut, aber sie verändert mehr, als man denkt. Der Schlüssel liegt darin, sie wahrzunehmen, ernst zu nehmen und dann gezielt dort anzusetzen, wo der Körper seine Kraft zurückholen kann z.B. in den Zellen, im Stoffwechsel, im Darm, im Nervensystem.
Quellen
- Hotamisligil GS (2025): Inflammation and Metabolic Disorders – Annual Review of Pathology
- CALM-Study (2024): Chronic Low-Grade Inflammation and Multimorbidity – European Journal of Internal Medicine
- IFM (2023): Silent Inflammation – Clinical Approaches in Functional Medicine
- RKI 2024: Stille Entzündungen und chronische Erkrankungen – Epidemiologisches Bulletin

